Gute Lebensmittel aus verantwortungsvoller, nachhaltiger Landwirtschaft

Wir GRÜNE stehen für eine Landwirtschaft, die ökologisch nachhaltig und tiergerecht ist und den Bäuerinnen und Bauern eine gute wirtschaftliche Existenz sichert. Wir unterstützen diejenigen, die auf sauberes Wasser, intakte Böden und tiergerechte Haltung achten und die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt schützen. Gute und gesunde Lebensmittel gibt es nur mit einer verantwortungsvollen nachhaltigen Landwirtschaft in bäuerlichen Strukturen. Die industrialisierte Landwirtschaft, die auf Kostenminimierung durch immer höhere Erträge und immer mehr Exporte setzt, auf immer größere Ställe und immer mehr Agrarchemie, ist keine zukunftsfähige Strategie. Weder Verbraucher*innen, Bäuerinnen und Bauern noch die Natur haben bisher davon nachhaltig profitiert. Deshalb wollen wir eine Landwirtschaft, die verantwortungsvoll mit den Tieren und der Natur umgeht. Wir setzen uns ein für eine Reform der Agrarförderung, die öffent- liches Geld nur gegen öffentliche Leistung vorsieht. Es geht um eine bäuerliche Landwirtschaft, denn nur sie kann die Grundlage einer gesunden Agrarstruktur sein.

Klimawandel, Bodenerosion und industrielle Bewirtschaftung bedrohen die Fruchtbarkeit unserer Böden. Der zunehmende Einsatz von Ackergiften vernichtet Tier- und Pflanzenarten, belastet unser Grundwasser undgefährdet unsere Gesundheit. Bereits heute ist die Zahl von Schmetterlingen, Bienen und anderen Insekten in manchen Regionen um bis zu 80 Prozent geschrumpft. Das gefährdet auch die Landwirtschaft selbst: Ohne Insekten keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Erträge. Manche Vogelarten wie das Rebhuhn sind bereits vom Aussterben bedroht, da sie keine Nahrung mehr finden.

Unser Ziel ist eine Landwirtschaft, die ohne Pestizide auskommt. Als Zwischenziel wollen wir bis 2030 den Pestizideinsatz in Bayern halbieren.Landwirt*innen, die auf Pestizide verzichten, unterstützen wir finanziell. Alternativen Pflanzenschutz werden wir durch Forschung und Beratung nach vorne bringen. Wir werden mit allen Mitteln dafür eintreten, dass Ackergifte wie das vermutlich krebserregende Glyphosat und die bienen- und insektentötenden Neonicotinoide schnellstmöglich europaweit verboten werden. Nach der skandalösen Zustimmung des damaligen Bundeslandwirtschaftsministers zu einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat für weitere fünf Jahre auf EU-Ebene ist ein nationales Glyphosatverbot zwingend.

Wir setzen uns für verbindliche, naturnahe Gewässerrandstreifen ein,die frei von Düngung und Pflanzengiften bleiben. Zugleich müssen flächendeckend Maßnahmen zum Erosionsschutz ergriffen werden. Das Problem zu hoher Nitratwerte im Wasser gehen wir mit konsequenter Kontrolle der Düngepraxis und dem Ziel der flächengebundenen Tierhaltung an.

Wir stehen für gentechnikfreie Landwirtschaft. Den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen lehnen wir ab. Lebensmittel für Menschen und Tiere, die unter Einsatz gentechnisch veränderter Organismen hergestellt wurden, müssen klar und deutlich gekennzeichnet sein. Das gilt auch für neue Gentechnikverfahren wie Genome Editing (z. B. CRISPR/Cas). Diese Verfahren sind als Gentechnik einzustufen und auch als solche zu regulieren. Um die Importe von genveränderten Eiweißfuttermitteln, die in Südamerika unter ethisch und ökologisch höchst problematischen Bedingungen produziert werden, zu reduzieren, werden wir den heimischen Anbau gentechnikfreier Eiweißpflanzen durch entsprechende Förderung deutlich ausweiten. Das ist auch gut für das Klima.

Tiere sind Lebewesen und kein agrarindustrieller Rohstoff. Die auf Höchstleistung und Maximalertrag getrimmte Tierhaltung verursacht Tier- leid, Qualzucht und regelmäßig Lebensmittelskandale. Eine Kehrtwende bei der Tierzucht ist überfällig. Für uns GRÜNE sind Lebewesen keine Wegwerfprodukte. Deshalb wollen wir die züchterische Weiterentwicklung der Zweinutzungsrassen fördern. Wir GRÜNE richten die Tierhaltung am Wohl des Tieres aus und machen Bayern zum Vorreiter einer tiergerechten Haltung. Schweine behalten ihre Ringelschwänze, Kühe stehen auf der Weide, und Hühner leben so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Bäuerinnen und Bauern, die ihren Tieren mehr Platz im Stall und bessere Haltungsbedingungen bieten, etwa Stroh statt Spaltenböden, fördern wir. Die Förderung für den Umbau von Anbindeställen in Laufställe für Kühe sowie hin zu Weidehaltung werden wir ausweiten.

Wir wollen deutlich weniger Antibiotika in der Tiermast und ein generelles Verbot von Reserveantibiotika. Letztere müssen den Menschen vorbehalten bleiben. Der hohe Antibiotikaeinsatz – vor allem in den industriellen Agrarbetrieben – begünstigt Resistenzen. Viele Medikamente werden dadurch wirkungslos.

Bayern ist das Milchland Nummer eins. Die heimische Milchproduktion ist mit dem desaströsen Verfall der Milchpreise in den letzten Jahren in arge Bedrängnis geraten. Wir GRÜNE setzen uns auf allen politischen Ebenen auch weiterhin für faire Preise und damit für die Zukunft unserer bayerischen Milchbäuerinnen und Milchbauern ein. Um weitere Milchkrisen zu verhindern, brauchen wir eine intelligente Milchmengenreduzierung.

Gemeinsam mit den Verbraucher*innen

Immer mehr Menschen legen Wert darauf, weniger Fleisch zu essen, dafür aber Fleisch von Tieren, die unter tiergerechten Bedingungen gehalten wurden. Wir fordern eine klare gesetzliche Haltungskennzeichnung, wie dies heute bei Eiern bereits der Fall ist. Die Verbraucher*innen sollen auf einen Blick erkennen können, wie die Tiere gehalten wurden, womit sie gefüttert wurden, woher das Futter kommt.

Bayern braucht mehr Bio

Ökolandbau ist der Königsweg, denn Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, fairer Umgang mit Tieren und bessere Preise für die Bäuerinnen und Bauern – all das gibt es im Ökolandbau bereits. Unser Ziel lautet: Bis 2025 sollen 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern ökologisch bewirtschaftet werden. Überall dort, wo Bayern Gestaltungsspielraum hat, werden wir ihn für einen Umbau der Landwirtschaft hin zu mehr Bio nutzen. Dafür stocken wir die Gelder für Förderung und Forschung deutlich auf. Das fängt bei der Aus- und Fortbildung an: Dort muss der Ökolandbau als vollwertige Alternative zur konventionellen Landwirtschaft verankert werden. Und es geht weiter bei einer kompetenten Beratung durch personell entsprechend ausgestattete Behörden sowie einem staatlichen Öko-Agrarmarketing.

Nachhaltige und regionale Wertschöpfungskreisläufe stärken die bayerische Landwirtschaft, das regionale Handwerk und die Wirtschaftskraft in den Regionen. Deswegen fördern wir bioregionale Produktvielfalt, stärken langfristig Projekte wie die Ökomodellregionen, landwirtschaftliche Ge- nossenschaften, Kooperativen und auch biovegan wirtschaftende Netzwerke, denn wir wollen, dass sich auch Veganer*innen so ökologisch und regional wie möglich versorgen können. Wir unterstützen den Aufbau vielfältiger regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen. In staatlichen Kantinen wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen und das Angebot auf den größtmöglichen Anteil an Bio-Lebensmitteln anheben.

Gutes Essen beginnt mit der Wertschätzung von Lebensmitteln. Dafür braucht es mehr Wissen darüber, wie Lebensmittel hergestellt werden, was darin enthalten ist und wie sie auf Mensch und Umwelt wirken. Wir wollen dem Thema deshalb in den Kitas und Schulen mehr Raum geben undden Kindern und Jugendlichen Kenntnisse vermitteln – theoretisch wie praktisch. Gesunde Lebensmittel – ob tierischer oder rein pflanzlicher Herkunft – gehören auf den Lehrplan und auf den Speiseplan. Wir unterstützen biologische, regionale und saisonale Angebote in Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Betreuungseinrichtungen.

Zu viele Lebensmittel landen im Müll. Das wollen wir mit verbindlichen Zielen für Erzeuger*innen und Handel ändern. Wer Lebensmittel aus dem Müll rettet und selbst verwendet, soll straffrei bleiben.

Wald und Holz – Klasse vor Masse

Bayern ist ein Waldland. Naturgemäße Waldwirtschaft und ökologische Holznutzung sind für eine nachhaltige Entwicklung des ländlichen Rau- mes und für die Wertschöpfung in der Region besonders wichtig. Der Klimawandel zwingt uns, unsere Wälder rasch in artenreiche Mischwälderumzuwandeln. Das ist vor allem für viele Eigentümer*innen mit kleinem Waldbesitz eine große Aufgabe. Damit der Waldumbau gelingen kann, setzen wir uns dafür ein, dass der geltende Grundsatz „Wald vor Wild“ flächig umgesetzt wird. Wir stellen Fördergelder bereit und intensivieren die Beratung, damit neue Bewirtschaftungskonzepte auch den Ansprüchen des Natur- und Artenschutzes gerecht werden.

Mit dem Waldumbau verändern sich auch Holzarten, Erntemengen und Holzqualitäten. Wir stärken Forschung, Entwicklung und Ausbildung und fördern die Innovationskraft der mittelständischen holzverarbeiten- den Betriebe, gerade auch für Holz als Baustoff der Zukunft. Denn Holz ist dann ökologisch und ökonomisch besonders wertvoll, wenn es nicht verbrannt, sondern in hochwertige Produkte veredelt wird.

Wir schützen Tiere

Wir GRÜNE setzen uns für einen besseren Tierschutz ein. Wir wollen nicht, dass Tiere unnötig Schmerzen und Angst erleiden müssen. Das Staatsziel Tierschutz, das auf Druck der GRÜNEN endlich im Grundgesetz verankert ist, erfüllen wir mit Leben. Um den Tierschutz konsequent umsetzen zu kön- nen, fordern wir eine*n unabhängige*n Tierschutzbeauftragte*n für Bayern sowie regelmäßige, unabhängige und unangekündigte Kontrollen tierhaltender Betriebe und Schlachthöfe. Außerdem werden wir endlich auch in Bayern ein Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände einführen.

Wir wollen Tierversuche konsequent reduzieren und sie langfristigüberflüssig machen. Damit das gelingt, wollen wir die Forschungslandschaft stärken und fördern, entsprechende Forschungsschwerpunkte an den Hochschulen etablieren und die Erkenntnisse zügig an die Lehre überführen. Nur wenn auch im Studium Alternativen zu Tierversuchen betrachtet werden, ist ein schneller Wandel möglich.

Immer wieder kommen in bayerischen Schlachthöfen skandalöse Missstände ans Tageslicht. Rechtliche Konsequenzen gibt es nur selten. Das wollen wir ändern. Eine möglichst schonende Schlachtung der Tiere setzt klare Vorschriften ebenso voraus wie wirksame Kontrollen bei Transportund Schlachtung. Um lange und qualvolle Tiertransporte zu vermeiden, streben wir den Erhalt bzw. die Schaffung von regionalen Schlachtstättenmöglichst in kommunaler Hand an. Zudem wollen wir die sensiblen Bereiche der Schlachtung mit Videoüberwachung ausstatten, um Probleme schnell lokalisieren zu können und auszuräumen.

Das Töten männlicher Küken bei Legehennen halten wir für ethisch nicht vertretbar. Deshalb werden wir den Ausstieg aus der Massentötung männlicher Eintagsküken weiter forcieren.Tierheime nehmen Fundtiere und beschlagnahmte Tiere auf und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz. Leider ist ihre finanzielle Situation oft desaströs. Die engagierte Arbeit der vielen ehrenamtlich tätigen Menschen hat mehr Unterstützung verdient. Der FreistaatBayern muss die Tierheime finanziell absichern und so die Kommunen entlasten.